SynLOG - DiY and Garden Logistics

SynLOG-Tag 2018 am 20. Juni in der Rohrmeisterei Schwerte


Zukunft im Verbund


Ein wichtiger Branchenverbund feierte sein 20jähriges Bestehen. 1998 ging SynLOG, getragen von den Industrieverbänden IVG und HHG an den Start, um die spezifischen Logistikanforderungen der DIY- und Gartenbranche zu koordinieren und zu bündeln. Als Schnittstelle zwischen Lieferanten und Handel die unterschiedlichen Interessen und Anforderungen zu thematisieren und Kontakte zu schaffen, war und ist wichtigste Aufgabe. Zum Jubiläum wurde schnell klar: Die rasanten Veränderungen der Handelslandschaft erfordern mehr denn je gemeinsames Agieren.

Das haben auch die Logistiker auf Handels- wie Lieferantenseite, die Speditionen und zahlreichen Dienstleister im Service-, Hard- und Softwarebereich deutlich erkannt. Allein die hohe Präsenz des Handels beim Jubiläumstag am 20. Juni in der Schwerter Rohrmeisterei, aber auch die Gesamtteilnehmerzahl von über 150 Logistikexperten zeigt die Dringlichkeit eines Themenkomplexes, der zum großen Teil von anderen Playern dominiert, noch mehr aber durch fehlende Schnittstellen, Fachkräfte- und Kapazitätsmangel bestimmt wird. Jetzt sind Lösungen gefragt – aber die erfordern gemeinsames Vorgehen. Da waren sich die Beteiligten aller Seiten absolut einig.

Dr. Peter Wüst, Geschäftsführer des BHB - Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, formulierte in seinem Grußwort noch einmal die drängendsten Probleme für den Handel in der disruptiven Welt des Multi-Channel und wagte die Aussage, dass es die heutige Form des Handels schon in wenigen Jahren nicht mehr geben werde. Die Automatisierungsprozesse könnten zwar auch positive Kräfte freisetzen – nämlich, wenn sich Mitarbeiter tatsächlich um Kundenkontakt anstatt um Prozesse kümmern, aber die Komplexität der technischen Anforderungen müsse erst einmal von der Gesamtheit verstanden werden.

Sehr umfangreich setzte sich Ingo Leiner, im Vorstand des Baumarktriesen Hornbach für die Logistik verantwortlich, mit den neuesten Entwicklungen der Supply Chain auseinander. Anhand der Hornbach Logistikzentren, die vor 19 Jahren etabliert wurden, zeigte Leiner die spezielle Problematik der Baumarktlogistik auf. Galt es zunächst, sehr heterogene Produkte transportfähig, sicher und schnell im Markt verräumbar zu machen, dreht sich heute alles um Anforderungen wie schnelle Endkundenlogistik, Effektivität bei der Nutzung schwindender Kapazitäten und die mangelnde digitale Infrastruktur auf vielen Seiten. Immer noch müssen bei der Auftragsbearbeitung Daten manuell EDV-erfasst werden, von sauberen Datenflüsse ganz zu schweigen. Dies gelte es endlich anzugehen – und solche Prozesse, bei den Online-Playern längst Standard, dürften nicht an der Unternehmensgrenze Halt machen.

Die klare Aufforderung zum Dialog und zu angestrebten Kooperationen konnte Alexander Alberts, die nächste Unternehmergeneration und Leiter Logistik beim Sauerländer Traditionsunternehmen GAH Alberts, sofort unterschreiben. Die Handlungsanweisungen Kommunikation – Kooperation – Evolution seien quasi unverzichtbar, wenn Industrie wie Handel auch künftig erfolgreich arbeiten wollten. Auch für Ihn sind Transportmittelknappheit, Fachkräftemangel und die immer kleinteiligeren Anforderungen der Kunden entscheidende Herausforderung. Hier sei effektives Handeln gefragt – saisonale Lieferengpässe könne man dabei z.B. gemeinsam viel besser planen und bewältigen. Und eines sei für beide wichtig: „Jahresgespräche darf man künftig nicht mehr ohne die Logistiker führen“.

Die spezifische Seite des Baustoff-Fachhandels und der angebundenen Logistik brachte Gerrit Höppner-Tietz, Bereichsleiter Strategische Logistik der hagebau, in die Diskussion. Die Herausforderungen seiner Fachhändler liegen besonders im Bereich der Baustellenlogistik – mangelhafte Standardisierung, geringe Automatisierung, kleinteilige Abrufe und hoher Aufwand. Auch hier sieht er die Lösung in enger Zusammenarbeit aller Schnittstellen. Dass es funktioniert, zeigte er anhand der spezialisierten Logistikpakete für Innentüren. Hier sei es gelungen, alle Beteiligten vom Produzenten über die Handelslogistik bis zum Auftraggeber lückenlos zu verbinden – ein Beispiel, das Mut macht.

Hubert Reiser, als Department Head Collaboration & User Experience beim Logistikpartner Dachser ganz wesentlich mit immer wiederkehrendem Change Management befasst, nahm die Kongressteilnehmer mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung der „EDV“ und immer komplexerer Systeme. „Von dieser Komplexität kommt oft zu viel beim User an, die Entwickler müssen die Usability beachten und verbessern, wenn wir die Menschen mitnehmen wollen.“

Die wissenschaftliche Seite bei der Entwicklung der Handelslogistik nahm sich Dr. Volker Lange vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik unter die Lupe. Die vollständig disruptiven Tendenzen gingen einher mit starkem gesellschaftlichen Wandel - und das in atemberaubender Geschwindigkeit.
Dazu kommen Online-Player, die die Gewohnheiten der Kunden stark beeinflussen und verändert haben – und die Anforderungen an Handel und Logistik enorm steigern. Welche Entwicklungen werden wir sehen? Dr. Volker Lange schlug den Bogen von intelligenter Regaltechnologie über ‚kommunizierende’ Paletten bis hin zu Drohnen z.B. in der Intralogistik großer Produktionsstätten. Nur eine Frage der Datenqualität – die Technologie sei längst vorhanden.

Digitalisierung ist sicher das Oberthema, dass die Manager aus Handel, Industrie und Logistik am stärksten betrifft. Doch durch stark steigende Versandzahlen ist auch die tatsächliche Frachtkapazität an oder bereits über der Machbarkeitsgrenze. Das hat auch viel mit Personal zu tun – Nachwuchsmangel, ein eher schlechtes Image der Logistik und nahezu Vollbeschäftigung lässt die Suche nach Fachkräften in der Logistik zum strategischen Thema werden, berichtete Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences.
Das Recruiting von Mitarbeitern sei Führungsaufgabe – und es gelte bestimmte Skills wie Wohlgefühl und Kommunikation mit den Mitarbeitern oder kontinuierliche Aus- und Weiterbildung unbedingt zu beachten.

Augmented Reality, Virtual Reality per Datenbrillen – was bis vor kurzem nur die Welt der Online-Gamer bestimmte, hält jetzt in Handel und Logistik Einzug. Entwickler Tim Mittelstaedt von der Media-Consulting-Firma timmersive führte vor, wie Games-Technologien immer mehr für realistische Präsentationen in der Handelswelt, z.B. bei der Auswahl von Bodenbelägen, Farben etc. genutzt werden. Virtual Reality ist aber auch ein optimales Werkzeug, das zunehmend genutzt wird, um Nachwuchs in spezifischen Produktions- und Logistikbereichen auszubilden.

Digitalisierung – die große, drohende Wolke oder Chance? Dass das Thema auch für die Logistiker der Branche eine riesige Dynamik bekommt, die dauerhaft alles heute Geltende auf den Kopf stellt, fasste der SynLOG-Leiter und Moderator der Veranstaltung, Markus Schering, geschäftsführender Gesellschafter des Logistikberatungsunternehmens Schering Consulting, im Fazit zusammen.
Enorme Komplexitätssteigerung, hohe Kosten, der Zwang zu Automatisierung und Standardisierung: Ohne eine tatsächliche Form der Zusammenarbeit, nicht nur mit Mitbewerbern der gleichen Branche, sondern auch als vertikale Kooperation mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette, werden diese Herausforderungen kaum zu bewältigen sein – selten hatte man darüber so viel Einigkeit verkündet wie hier.
SynLOG dürfte bei diesem Kommunikationsprozess jedenfalls eine wichtige Rolle in der Logistik der Branche DIY, Bau und Garten einnehmen.



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